Alhambra und ein Café con Leche

Auf einen leckeren Café con leche in der Alhambra

Es fühlt sich so an als wäre die Sonne in dem wunderschönen Städtchen Granada an der Südküste Spaniens soeben erst aufgegangen. Und eigentlich fühlt sich das nicht nur so an. Denn wer das vermutlich bekannteste Bauwerk Andalusiens – die Alhambra – einmal von innen sehen möchte, sollte nicht nur sehr früh aufstehen, sondern am besten die Eintrittskarten für den Besuch schon im Vornherein erworben haben. Um halb neun Uhr morgens war für uns der offizielle Einlass, doch schon Minuten zuvor ertönte aus den Lautsprechern über den Kassenhäuschen: „We are sorry but all the entrance tickets for today are sold out!“ Zum Glück hatten wir unsere Tickets schon von Deutschland aus reserviert.

So stolperten wir also an der langen, vorwiegend aus gähnenden Menschen bestehenden Schlange vorbei, und betraten das riesige Gelände der arabisch anmutenden Alhambra. Eine Menge an beeindruckenden Gebilden, Häuschen und Schlössern aus verzierten Fliesen, filigranen Schnitzereien, hohen Decken und noch viel schöner angelegt und gepflegten Gärten.

Doch das wahre Highlight waren nicht die geschichtsträchtigen und imposanten Bauten sondern viel mehr ein kleiner hölzerner Kiosk mit seiner zweigruppigen Siebträgermaschine. Allerdings galt es dieses Häuschen erst einmal zu entdecken. Die meisten Touristen liefen aus Gewohnheit zu den an anderer Stelle positionierten Snackautomaten. Natürlich durfte in der Riege dieser Automaten auch der Instant-Kaffeeautomat nicht fehlen. Just in dem Moment als ich den Kaffeebrüher mit Entsetzen begutachtete, drückte ein Besucher auf einen der Knöpfe versehen mit dem Text „Café con Leche“. Das klingt natürlich erst einmal ansprechend, doch schon alleine von dem Geruch verging mir die Lust auf Kaffee, von der Optik gar nicht zu sprechen. Ich dachte also schon ich müsste ohne meinen morgendlichen Kaffee die Touristenattraktion auskundschaften. Bis … ja bis sich die ersten biertrinkenden spanischen Gärtner von dem hölzernen Gebilde zu entfernen begannen. Die Lücke zwischen den dort noch stehenden Alhambra-Mitarbeitern gab schließlich den Blick auf den funkelnden Siebträger frei – meine Rettung. Also bahnte ich mir den Weg und bestellte ganz souverän mit meinen paar Brocken Spanisch, die ich noch von dem Schild vom Instant-Kaffeeautomaten im Kopf hatte: „Un Café con leche, por favor. “

Der Barista zog mir einen extrem lecker aussehenden Espresso der mir gemeinsam mit frisch aufgeschäumter Milch in einem hohen Glas serviert wurde. Das Gesamtkonzept aus Milch und Espresso schmeckte fantastisch. Trotz der vielen Milch konnte sich die Haselnussnote des Espressos noch extrem intensiv im Glas entfalten. Glücklich saß ich in der Morgensonne, beobachtete den Trubel rund um die Alcazaba und lies mich spätestens in diesem Moment von der Spanischen Gemütlichkeit anstecken. Immer wieder kreuzten andere Besucher mein Blickfeld – natürlich mit Pappbechern  in der Hand die mit unangenehm riechenden Inhalt befüllt waren. Da war der Weg zum Instantautomaten bei den meisten wohl der gewohntere. Aus Trotz und Genuss kaufte ich mir im Anschluss noch einen dieser fantastischen Cafés con leches an dem kleinen Kiosk, bevor ich mich fit dank des Koffeins und glücklich aufgrund des Geschmacks, wie alle anderen auch, auf meine Tour durch das beeindruckende Weltkulturerbes machte.