Ein Abend mit Lenny Kravitz

50 Jahre jung ist Lenny Kravitz inzwischen. Mindestens 15 Jahre davon sieht man ihm an diesem Abend in der fast ausverkauften Münchner Olympiahalle nicht an. Die obligatorische überdimensionierte Sonnenbrille mag vielleicht die etwas müden Augen verdecken. Aber körperlich zeigte sich der Schmuserocker, zur Freude der zumeist weiblichen Fans in der Halle, wieder von seiner allerbesten Seite. Trainiert wie eh und je und in ein Hemd gehüllt welches einem tiefe Einblicke bis zum Bauchnabel gewährte. All das gehört zu einer guten Lenny Kravitz Show, und macht mit Sicherheit auch einen großen Teil seines Erfolgsgeheimnisses aus.

Ob optisch überzeugend, oder nicht. So oder so steht hier eindeutig ein absoluter Vollprofi auf der Bühne. Bei Lenny Kravitz reden wir noch von einem Künstler der nicht nur Instrumente spielen und Singen kann, sondern der auch Entertainer Qualitäten an den Tag legt, die vielen jungen neuen Künstlern heutzutage fehlen. Hier wird mit dem Publikum geflirtet, von einer Seite der Bühne zur anderen gerannt und bei dem Song „Let Love Rule“ mischt sich Lenny Kravitz sogar, wie schon in den Jahren zuvor, unter das Publikum. Während seines Bads in der Menge animiert er die Fans immer und immer wieder den Refrain zu dem Song „Let Love Rule“ anzustimmen – was dem Profi-Rocker – natürlich auch gelingt. Und jeder der öfter in der Olympiahalle auf Konzerten ist weiß – es gehört schon einiges dazu, dass komplette Münchner Publikum inklusive der Sitzplatzfraktion zum Tanzen und Singen zu bewegen. Doch Lenny Kravitz hat es mal wieder geschafft. Und sich damit in den letzten Jahren als eine der wenigen noch lebenden Rocklegenden im Live-Segment herauskristallisiert. Auch wenn er des Öfteren von der Musik-Presse für Nichtssagende Texte und melodischen Einheitsbrei kritisiert wird.

In über zwei Stunden gibt er den einen oder anderen Song seines neuen Albums „Strut“, aber natürlich auch seine Klassiker wie „Fly Away“, „Let Love Rule“, „American Woman“ und „It ain’t over till it’s over“ zum Besten. Zu den absoluten Highlights zählte in meinen Augen, die über 15 Minuten andauernde Jamsession. Diese entwickelte sich aus dem Song „Mama said“. Funk, Jazz, Soul und Rock wurden hier in kürzester Zeit zu einem anspruchsvollen Klangteppich verknüpft.

Das Konzert endete mit einem extrem energiegeladenen „Are you gonna go my way“ und viele werden sich gedacht haben: „Ja ich folge dir auf deinem Weg.“