Kaffeetypen

Kaffeetrinker ist nicht gleich Kaffeetrinker. Einige unterhaltsame Beobachtungen habe ich für Euch zusammengefasst.

Latte-macchiato-Mama:

Sie trifft sich mit Vorliebe mit ihren tratschenden Freundinnen zum Kaffeeklatsch. Das Babymobil und das Kind immer mit dabei. Natürlich hat sie durch den momentanen Mutterschutz viel Zeit für Kaffee. Ein Espresso ist ihr laut eigener Aussage jedoch viel zu stark. Milch und Zucker sind aber scheinbar die idealen Zutaten für die gestresste junge Mutter. Eigentlich war der Latte macchiato ja für die Kinder erfunden worden. Die Geschichte besagt, dass häufig der letzte Rest des Espressos der Eltern in ein Glas mit ganz viel Milch gekippt wurde – dieses durften dann die Kinder leer trinken. Wenig Kaffee und Koffein, aber viel leckere frische Milch und Schaum. Heute trinken ihn die Mütter und die Kinder bekommen wieder Karottensaft. Oder, wie in hippen Läden und Vierteln Deutschlands inzwischen extrem angesagt, ca. zwei Euro teure Babyccinos (heiße Milch mir Schaum und oder Sahne/Kakao). Verkehrte Welt könnte man sagen. Die Latte-macchiato-Mama hat gerne einen Vollautomaten oder ein Kapselsystem Zuhause stehen. Erstens, weil George Clooney auf diese Zielgruppe wirkt und zweitens, weil man ohne große technische Kenntnisse nach dem betätigen eines einzigen Knopfes, nämlich dem mit dem kleinen Latte-macchiato-Glas darauf, den leckeren Schichtenkaffee in der Hand hält.

Espresso-Dandy:

Robust(a)er Mann um die 50zig. Seit die Kinder und die Ex-Frau ausgezogen sind, kann er sich endlich austoben. Das Familienauto wurde gegen einen Zweisitzer eingetauscht und endlich, ja endlich steht nun neben der alten Filtermaschine, die man damals zur Hochzeit von Mama geschenkt bekommen hat, der Ferrari unter den Kaffeebrühern. Ein funkelnder, auf Hochglanz polierter Edelstahlsiebträger – das Aushängeschild vor den Freunden und der ganze Stolz des Mannes zugleich. Er bastelt an diesem Siebträger herum, wie an seinem neuen Auto und liebt es, sämtliche Espressi, die ihm irgendwie unter die Finger kommen, zu verköstigen. Männlichen Latte-macchiato-Trinkern schenkt er nur ein müdes Lächeln. Der am besten pur, rassig und schwarz zu trinkende Espresso ist für ihn ein größeres Zeichen von Männlichkeit als Aftershave und Brusthaare. Nur dumm wenn die junge Frau die er damit beeindrucken möchte lieber Latte macchiato trinkt. Dann muss die Milchschaumdüse des surrenden und funkelnden Siebträgers wohl doch eingeweiht werden.

Cappuccino-Mitvierzigerin:

Lange bevor sich der Latte macchiato vor allem bei den Damen etablierte, war der Cappuccino schon modern. Die typische „Cappu“-Trinkerin, wie das Heißgetränk liebevoll von ihr genannt wird, ist eine Frau um die vierzig. Zu Hause wird noch Filterkaffee getrunken, ab und an findet man auch vereinzelt Pad- oder Kapselsysteme. Aber wenn sie zum Kaffeetrinken geht, oder nach dem Essen im Restaurant gefragt wird, ob sie noch einen Espresso trinken möchte, verzieht sie das Gesicht und sagt: „Einen Cappu bitte, Espresso ist mir viel zu stark!“ Mit dem Schaumhäubchen auf dem Kaffee fühlt sie sich dann schnell wie im Urlaub am Gardasee. Und wehe darauf befindet sich kein Kakao-Pulver. Dieses, sowie ein Keks und noch einiges an Süßstoff (man achtet ja auf die Linie), dürfen nicht fehlen.

Filterkaffee-Oma:

Filterkaffee zieht sich durch sämtliche Altersgruppen, nicht zuletzt, weil eine einfache Filtermaschine schon für sehr wenig Geld im Handel erhältlich ist. Doch eine Personengruppe (außer den Hipstern) hat sich fast nur auf Filter spezialisiert. Die Generation Großeltern. Aufgewachsen mit Muckefuck (Weizenkaffee) – man hatte ja früher nichts -, gönnt man sich heute schon mal den Dallmayr Prodomo. Der durch seine angeblich „Magenschonende Aufbereitung“ ideal für ältere Damen und Herren zu sein scheint. Und natürlich, wenn die älteren Herrschaften dann mal die für sie idealen Bohnen gefunden haben, hat auch kein anderer mehr eine Chance. Servierst du Deiner Oma eine andere Art von Kaffee, wirst du sofort zu hören bekommen: „Ich mag dieses neumodische Zeug nicht. Der beste Kaffee ist und bleibt der Filterkaffee und zwar der Prodomo!“ Wenn sie dann doch einmal in einem Café sitzt bestellt sie ganz traditionell ein „Haferl Kaffee“. Und gibt es den „Prodomo“ bei einer Supermarktkette im Angebot, wird er gleich päckchenweise gekauft und im Anschluss die ganze Familie damit versorgt. Ob die Familie das will oder nicht!