Orquesta Buena Vista Social Club: Adios Tour

Kuba, die Insel der Lebensfreude, guter Musik, der Zigarren und des Rums – aber auch ein Land des Verzichts. Rationierte Konsumgüter, niedrige Löhne, ein Leben am Existenzminimum. Auch wenn sich die Situation in den letzten Jahren etwas gebessert hat und die USA und Kuba vor kurzem wieder volle diplomatische Beziehungen aufgenommen haben – die Kubaner hatten es die letzten Jahrzehnte mit Sicherheit nicht leicht. Trotzdem versprüht die kubanische Musik und gerade auch die des Buena Vista Social Clubs eine schier unfassbare Lebensfreude.

Diese Freude durfte das Münchner Publikum auf dem Tollwood (01.07.2015) jetzt auch – noch einmal erleben. Das Orquesta Buena Vista Social Club hat sich zu seiner Adios Tour angekündigt. Der Buena Vista Social Club, dass war zunächst ein CD-Titel, ein quasi Best-Of der besten kubanischen Musiker aus den 1940er und 1950ern. Die Musik war zu diesem Zeitpunkt fast in Vergessenheit geraten, bis der US-amerikanischen Gitarristen Ry Cooder und Juan de Marcos González dieses Album zusammenzustellen. Das war im Jahre 1996. Drei Jahre später sorgte der deutsche Regisseur Wim Wenders mit seiner Dokumentation über die kubanischen Musiker für weltweiten Erfolg, die Doku war sogar für einen Oscar nominiert.

Im Anschluss tourten die Musiker des Albums und der Dokumentation in den unterschiedlichsten Besetzungen durch die Welt und brachten jedem Konzertgast die kubanische Lebensfreude näher. Die meisten waren zu diesem Zeitpunkt schon deutlich über 60 teilweise auch bereits über 70 Jahre alt. Die bekanntesten Mitglieder von Buena Vista:

  • Compay Segundo (1907–2003), Sänger und Gitarrist
  • Rubén González (1919–2003), Pianist
  • Ibrahim Ferrer (1927–2005), Sänger
  • Omara Portuondo (* 1930), Sängerin, einzige Frau unter den Musikern
  • Eliades Ochoa (* 1946), Sänger und Gitarrist
  • Ry Cooder (* 1947), Gitarrist

Auf dem Münchner Tollwood war es dann noch einmal so weit. Die bayerische Sonne brannte vom Himmel, im Zelt wurde es langsam unerträglich heiß und dann erklangen die ersten kubanischen Rhythmen. Ein perfekter Tag für ein Konzert des Orquesta Buena Vista Social Club. Am Anfang war das Publikum noch etwas verhalten, was vermutlich auch an der Hitze im Zelt lag. Doch allerspätestens als eine der wenigen noch lebenden Mitglieder der Originalbesetzung und übrigens auch die einzige Frau der Crew Omara Portuondo die Bühne betrat, gab es kein Halten mehr. Alle klatschten und bewegten ihre Hüften zum Takt – Mal mehr und mal weniger kubanisch.Die Bilder auf der Leinwand zeigten die Musiker unter anderem in jüngeren Jahren. Die meiste Zeit flimmerten aber Bilder der bereits verstorbenen Social Club Mitglieder, wie zum Beispiel Ibrahim Ferrer, Compay Segundo oder Rubén González über den Bildschirm. Neben Omara Portuondo standen aber auch Eliades Ochoa, Guajiro Mirabal, Barbarito Torres und Jesus Aguaje Ramos auf der Bühne. Unterstützt wurden die Urgesteine von jüngeren Musikern. Barbarito Torres spielte dann zur Belustigung der Zuschauer den deutlich jüngeren, in Kuba gefeierten Son-Sänger, Carlos Calunga mit der Gitarre an die Wand. Beide versuchten sich an einer bestimmten Melodie, nur Barbarito spielte diese mit der Gitarre auf dem Rücken immer noch eindrucksvoller, als sein Bühnenkollege Carlos Calunga. Und auch getanzt wurde auf der Bühne mehr als eifrig. Geradezu anrührend waren die Tanzeinlagen von der 84-jährigen Omara Portuondo. Gespielt wurde vieles von dem Album „Lost and Found“ aber natürlich durften auch die Klassiker wie „Chan Chan“ oder „Candela“ von dem Abum „Buena Vista Social Club“ nicht fehlen.

Alles in allem ein wahnsinnig gelungener Abend vollgefüllt mit Rhythmen von Guajira, Son, Danzon, Bolero, Cha-cha-cha bis hin zum Rumba. Die Konzertbesucher sind alle etwas verschwitzt, dafür aber mit einem breiten Grinsen aus dem Zelt getanzt. Und selbst vor dem Zelt hat dann noch eine Gruppe lauthals den Song „Chan Chan“ gesungen.

Foto: Das Aufmacherfoto stammt von Ryan McGuire